Wieso kann sie so viel essen und wird nicht dick?!

Guter Futterverwerter vs. Schlechter Futteverwerter

Kennst du sie auch? Diese Menschen die scheinbar alles in sich hineinstopfen können, und doch kein Gramm zunehmen? Oder gehörst du vielleicht selbst zu ihnen?

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Phänomen der ,,Guten und schlechten Futterverwerter´´und wird aufdecken, inwieweit etwas Wahres daran ist. Und inwieweit eben nicht.

Zunächst einmal ein paar grundlegende Dinge:

Es gibt drei Grundnahrungsstoffe, die so genannten Makronährstoffe:

Kohlenhydrate, Proteine und Fette.

Jeder dieser Makronährstoffe besitzt ein gewisses Maß an Energie, das meist in Kilokalorien angegeben wird.

Ein Gramm Kohlenhydrate besitzt 4,1 kcal. Ein Gramm Protein ebenfalls 4,1 kcal. Und ein Gramm Fett ganze 9,3 kcal. 

Nehmen wir diese Makronährstoffe nun über unsere Nahrung auf, so steht dem Körper Energie zur Verfügung. 

Diese wird entweder gleich für Körperfunktionen verbraucht, oder, bei einem Überangebot an Energie, im Körper gespeichert. Hauptsächlich in Form von Fett im Fettgewebe.

Jetzt kommt der springende Punkt:

Die in den Markronährstoffen enthaltene Energie (Kalorien) wird nicht mit 100%iger Effizienz in den Körper ,,eingebaut´´.

Auf dem Weg vom Mund zum Speicherort geht Energie für Stoffwechselprozesse (Aufspaltung, Transport etc.) in Form von Wärme ,,verloren´´*.

Dieser Energieverlust ist bei jeder Markronährstoffgruppe unterschiedlich. 

Am höchsten liegt er bei Proteinen, da hier sehr viele Aufspaltungs- und Umbaumaßnahmen vom Körper vorgenommen werden müssen. 

Am niedrigsten bei den Fetten, die Nahezu 1:1 in den Körper eingebaut werden können, weshalb hier zu ein sehr geringer Energieaufwand von Nöten ist.

*Die Energie geht natürlich nicht verloren (denn Energie geht laut den Gesetzten der Thermodynamik niemals verloren), sondern wird in vom Körper nicht brauchbare Energie, nämlich Wärme, umgewandelt und abgegeben.

Wie viel Kalorien wir letztlich einlagern hängt also davon ab, was (welche Makronährstoffe) wir essen. 

Um es zu verdeutlichen: 

Du kannst 100g Harzer Käse essen oder 40g Camembert und hast in jedem Fall 116 kcal aufgenommen. 

116 kcal ist aber nicht gleich 116 kcal.         

Denn Harzer Käse besteht zu einem Großteil aus Protein, Camembert hingegen aus Fett. Und wie wir gerade gelernt haben, ist die Umwandlung des aufgenommenen Proteins in einen Körpereigenen Stoff weit umständlicher und Energieverbrauchender, als die des Fettes. 

Fazit: Du kannst als mehr Kalorien in Form von Harzer Käse essen, als in Form von Camembert. 

 

Soweit so gut.

Das erklärt nun aber noch nicht, warum manche Menschen anscheinend mehr essen können als andere.

Bei uns allen ist es so, dass Proteine mit dem größten Energieverlust behaftet sind. Gefolgt von Kohlenhydraten und letztlich Fetten.

Wie viel genau an Energie verloren geht ist aber von Person zu Person unterschiedlich!

Lass mich den obigen Satz also ergänzen:

Wie viel Kalorien wir letztlich einlagern hängt davon ab was (welche Makronährstoffe) wir essen. 

Aber auch davon, wie hoch die individuellen Verluste für Verdauung, Transport und Einbau  für den jeweiligen Markronährstoff liegen.

Im Folgenden findest du die Verlustwerte der drei Markronährstoffe:  

 Proteine rund 20-30%

Kohlenhydrate rund 5-10%                

Fette rund 3%

 (Alkohol rund 10-30%)

D.h., nehme ich 100 kcal in Form von Proteinen zu mir, gehen 20-30% dieser Energie für Stoffwechselvorgänge (Aufspaltung, Umbau, Transport, Speicherung) verlohren. Letztendlich bleiben also von den 100 kcal nur noch 70-80 kcal übrig.

 

Ob es nun 70 oder 80 sind, unterscheidet einen schlechten von einem guten Futterverwerter.

 

 

Bei Kohlenhydraten gehen 5-10% der zugeführten Kalorien verloren, bei Alkohol 10-30 % und bei Fetten nur rund 3%. 

Um noch einmal zu verdeutlichen, wie sich ein guter von einem schlechten Futterverwerter unterscheidet, lass uns ein, zugegeben etwas extremes, Beispiel anschauen:

Lisa und und Susi verspeisen beide ein Stück Käsekuchen.

Dieses hat 300 kcal (zusammengesetzt aus 100 kcal Proteinen, 100 kcal Kohlenhydraten und 100 kcal Fett).

 

Bei der schlechten Futterverwerterin Lisa gehen insgesamt 43% der zugeführten Kalorien verloren. Von den 300 zu sich genommenen Kalorien kommen also letztlich nur 57%, d.h. 171 kcal an.

 

Bei der guten Futterverwerterin Susi gehen hingegen nur 33% der Kalorien verloren. Es bleiben also 67% übrig, was 201 kcal entspricht.

Susi hat also effektiv 30 kcal mehr eingebaut als Lisa.

zugeführte Energie Art der Kalorien (Markronährstoffe) Verlust bei     Lisa Verlust bei     Susi
100 kcal Proteine 30 % 20 %
100 kcal Kohlenhydrate 10 % 10 %
100 kcal Fette 3 % 3 %
—> 43 %  —> 33%

 

Macht das nun einen so großen Unterschied?!

Lass uns annehmen, Lisa und Susi nehmen täglich 2000 kcal zu sich.

Bei Lisa gehen, wie schon bekannt 43% verloren, bei Susi 33%. (Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Proteine, Kohlenhydrate und Fette im Verhältnis 1:1:1 zugeführt werden, aber das sein nun einmal nebensächlich). 

Nach den Stoffwechselprozessen bleiben bei Lisa also noch 1140 kcal, bei Susi 1340 kcal übrig.

Das bedeutet: Lisa kann täglich 200 kcal mehr zu sich nehmen als Susi.

200 kcal entsprechen in etwa einem Brötchen. 

Was schließen wir nun daraus? Gibt es tatsächlich Menschen, die von der Natur gesegnet wurden, und so viel Essen können wie sie wollen ohne fett zu werden.

Nein. Es gibt zwar, wie wir gesehen haben, sehr wohl Unterschiede bezüglich der ,,Futterverwertung´´, diese fällt aber nicht so stark ins Gewicht als dass man Übergewicht allein auf seine Genetik schieben könnte.

Und das ist eine gute Nachricht, denn es bedeutet, dass keiner von uns dazu verdammt ist, dick zu sein! Wenn du er der Susi-Typ bist, wirst du es mit der Gewichtskontrolle natürlich etwas schwieriger haben. Doch du weißt nun, das es auch für dich sehr gut möglich ist, abzunehmen. Denn ein 200 kcal Brötchen mehr oder weniger ist zwar ein Unterschied, macht den Kohl aber auch nicht wirklich fett!

Nun gibt es aber tatsächlich Menschen, die bedeutend mehr essen können als andere gleicher Größe und gleichen Geschlechts. 

Mit bedeutend meine ich also mehr als ein 200 kcal Brötchen. Eher einen Unterschied von 500, 600 oder sogar über 1000 kcal. 

Trotzdem sind diese Menschen nicht dick.

Dies liegt dann aber nicht (oder nur minimal) daran, an oben besprochenen Prinzip.

Eine viel Größere Rolle spielen hier der Grundumsatz und das tägliche Bewegungslevel (Leistungsumsatzt).

About the Author Lena Heintze

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